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v.l.n.r.: Tobias Schiffler, Lisa Kainzbauer, Christopher Tupy
Tobias Schiffler vom Zentrum für Public Health der MedUni Wien wurde gemeinsam mit seinen Projekt-Kolleg:innen Christopher Tupy und Lisa Kainzbauer für die Präsentation des CoMitMent-Projekts beim sechsten Internationalen Psychiatriekongress zu seelischer Gesundheit und Recovery in Bern mit dem Best Abstract Award.

Tobias Schiffler und seine Kolleg:innen Christopher Tupy (Interessenvertretung der Erfahrungsexpert:innen Wien (IdEE Wien)) und Lisa Kainzbauer (Hilfe für Angehörige psychisch Erkrankter Wien (HPE Wien)) präsentierten Ergebnisse und Daten aus dem CoMitMent-Projekt, bei dem Menschen mit gelebter Erfahrung und Expert:innen zusammenarbeiteten, um Lösungen für eine bessere körperliche Gesundheitsversorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen zu finden. Das gesamte Projekt, von den Anfängen über die Analysen bis hin zur Präsentation der Daten, wurde in Zusammenarbeit zwischen Expert:innen und Menschen mit Lebenserfahrung durchgeführt. Das Projekt war von der MedUni Wien koordiniert (Tobias Schiffler als Projekleiter) und vom Ludwig Boltzmann Open Science Innovation Center gefördert.

Hintergrund
Menschen mit psychischen Erkrankungserfahrungen (MPE) sind aufgrund sozioökonomischer Nachteile, wie soziale Isolation, Armut oder Stigmatisierung, von eklatanten Ungleichheiten in der somatischen Gesundheitsversorgung betroffen. Dies führt zu inadäquater und verzögerter Behandlung und beeinträchtigt ihre Gesundheit massiv, mit einer Lebenserwartung bis zu 20 Jahre unter dem Durchschnitt.

CoMitMenT versuchte zu identifizieren, welche hindernden und fördernden Faktoren MPE erleben, wenn sie medizinische Hilfe für körperliche Anliegen suchen, und welche Maßnahmen sie dabei unterstützen (würden) vermehrt somatische Gesundheitsdienstleistungen in Anspruch zu nehmen.

In qualitativ-partizipativer Weise wurde CoMitMenT von einer „trialogischen“ Steuerungsgruppe geplant und umgesetzt. In zwei Co-Creation-Workshops begegneten sich MPE, An- und Zugehörige von MPE sowie professionelle Helfer:innen, um über obige Fragestellungen zu diskutieren. Die Daten wurden mittels teilnehmender Beobachtung und direkten Beiträgen von Teilnehmenden erhoben und thematisch analysiert.

Aus den gewonnenen Daten ließen sich sechs Kernthemen mit zugehörigen Maßnahmenvorschlägen ableiten: „Barrierefreiheit und Einrichtungsgestaltung“ (z.B. Vorbereitungsmöglichkeiten von medizinischen Terminen für MPE), „Ressourcen und Bürokratie“ (z.B. praktische Unterstützung beim Ausfüllen von Formularen), „Bewusstseinsbildung bei Gesundheitsberufen“ (z.B. Begegnungen mit MPE/Angehörigen im Rahmen von Ausbildungen), „Gesellschaftliche Bewusstseinsbildung“ (z.B. Integration psychosozialer Themen im Bildungsbereich), „Strukturelle Angebotsvielfalt“ (z.B. offizielle Webseite mit Angebotsüberblick) und „Vernetzung“ (z.B. telefonische Konsiliardienste).

Die identifizierten Probleme und Maßnahmen zeigen konkrete Schritte zur Verbesserung der somatischen Versorgung für MPE auf, während die Erkenntnisse die Notwendigkeit eines ganzheitlichen Ansatzes, welcher mehrere Dimensionen gleichzeitig erfasst, unterstreichen.

CoMitMenT könnte die Grundlage für gesellschaftliche, systemische und politische Veränderung bilden, um Ungleichheiten in der Gesundheitsversorgung zu verringern und die Lebensqualität dieser Bevölkerungsgruppe zu verbessern.